Wuppertal – Fast könnte man meinen, dass im Winter außer Eisblumen an den Fenstern kein Blütenflor im Freien zu finden ist. Aber die Natur kennt keine Pause – oder wie Gartenpionier und Staudenzüchter Karl Foerster (1874-1970) ein Buch betitelte: «Es wird durchgeblüht».

Allerdings muss der Hobbygärtner sich schon im Laufe des Jahres bewusst ein paar Gedanken um das Bild seines Gartens im Winter gemacht haben. Denn es gibt nicht besonders viele Winterblüher, und diese wenigen müssen in der kargen Landschaft gut zur Geltung kommen.

Die Staudengärtnerin und Gartenarchitektin Anja Maubach aus Wuppertal denkt bei der Planung eines Gartens daher immer zunächst an den Winter und trifft eine Pflanzenauswahl, die mit Farben und Strukturen das Grundstück in der kalten Jahreszeit schmückt. Denn drumherum eine dichte, farbenfrohe und stimmige Sommerbepflanzung anzusiedeln, das schaffe jeder, so Maubach.

Ein Klassiker für die kalten Tage ist der Winter-Jasmin (Jasminum nudiflorum). Der Strauch hat dichtes, parallel nebeneinander wachsendes Astwerk. An den jungen Trieben sitzen runde, goldgelbe Blüten ebenfalls dicht nebeneinander. Das Besondere: Die weichen Triebe legen sich gegen eine Mauer oder ziehen sich in dem Astwerk eines Stützgehölzes nach oben. Sehr schön sieht es aus, wenn die Triebe über eine Mauer locker nach unten hängen. Mit einem Schnitt im Frühjahr hält man das Holz jung und erhält sich die Blühfreudigkeit.

Auch eine Vielzahl an Sorten der Zaubernuss (Hamamelis) öffnen bereits in den Wintertagen ihre Blüten. «Sehr schön ist auch die sogenannte Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox)», findet Maubach. Während die Sträucher der Zaubernuss sich nach oben trichterförmig öffnen, wächst die Chinesische Winterblüte straff nach oben und erreicht leicht eine Höhe von zwei Metern. Die Blüten sind braungelb und hängen wie kleine Glöckchen nach unten. Die Zaubernuss hat dagegen schmale, lange Blütenblätter, die im Winter flatternd abstehen. Ihre Farbpalette reicht von Zitronengelb über Orange bis Burgunderrot.

«Ein besonderes Kennzeichen vieler Winterblüher ist der Duft», erklärt Gabriele Schabbel-Mader, Präsidentin der Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur in Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein). Neben Winterblüte und Hamamelis tragen auch die winterblühenden Schneeball-Arten ein feines Blütenparfüm – das sind der Winter-Schneeball (Viburnum bodnantense) und der Duft-Schneeball (Viburnum farreri).

Schabbel-Mader rät, diese duftenden Winterblüher dort im Garten zu platzieren, wo man auch im Winter häufig vorbeikommt und den Duft folglich wahrnehmen kann. Für die Gartenexpertin ist beispielsweise der Vorgarten ein guter Standort.

Dazu sollte es einen ruhigen Hintergrund für den Winterblüher geben. «Vor einer Wand oder einer ruhigen Hecke kommen Schneeball, Zaubernuss und Zierkirsche gut zur Geltung, denn die Einzelblüten sind recht klein», erklärt Schabbel-Mader. Eine dunkelgrüne Eibenhecke sei etwa ideal. Damit die Pflanzen nicht im kargen Umfeld stehen und ihre Wirkung gedämmt wird, sollte man den Untergrund mit Immergrünen besetzen. «Bodendecker haben die winterlichen Blüten hervor wie eine Manschette», erläutert Schabbel-Mader.

Auch wenn Lenzrosen erst fast zum Winterende hin erblühen, raten die Experten auch zu diesen Pflanzen in der Gartengestaltung. Ihre Blätter sind ein hübscher Anblick – und «man kann die Entwicklung der Blütenstände im Winter bereits beobachten», erklärt Maubach. Das gilt auch für den Frühlingsblüher Bergenie. Und die Gartenarchitektin rät zu einer Kombination des Heidekrautes Erica x darleyensis ‚Silberschmelze‘ und der Korsischen Nieswurz (Helleborus argutifolius). «Man erkennt auch schon im Dezember die kleinen Blüten der Winter-Alpenveilchen (Cyclamen coum), die zusammen mit Schneeglöckchen ausgedehnte Teppiche entwickeln.» Diese Art wird auch oft als Vorfrühlings-Alpenveilchen bezeichnet.

Pflanzen mit kleinen Blüten wie das Schneeglöckchen müssen in große Gruppen gesetzt werden, damit sie im Auge des Betrachters wirken, erklärt Schabbel-Mader. Das gilt auch für andere kleine Winter- und Frühblüher wie Krokusse.

«Wenn sich unter einem frühblühenden Rhododendron beispielsweise nur ein paar Elfenkrokus (Crocus tommasinianus) aus der herbstlichen Laubdecke emporkämpfen, stimmen zwar die Blütenfarben überein, aber es wirkt störend», findet Schabbel-Mader. Sie rät, nicht nur zehn Zwiebel verstreut im Herbst zu pflanzen, sondern gleich Hunderte zu setzen. So entwickelt sich am Boden ein leuchtender Blütenteppich, der in der Wintertristesse eine Wohltat für die Augen ist und die Vorfreude auf den Frühling nährt.

Fotocredits: Marion Nickig,Marion Nickig,Andrea Warnecke,Andrea Warnecke
(dpa/tmn)